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Artikel in der Freien Presse vom 04.01.2010, Zschopauer Zeitung

Darauf hören, wenn sich die Alarmanlage im Bauch einschaltet

Verein Wildwasser will vierte Pädagogin einstellen - Nachfragen für Angebote zur Aufklärung über sexuelle Gewalt kämen jetzt auch aus dem Erzgebirgskreis

Freie Presse vom 04.01.2010, Zschopauer Zeitung
von Katharina Leuoth

Chemnitz/Zschopau. Ein Erwachsener spricht ein Kind an, will, dass es mit ihm geht. Das Kind hat ein komisches Gefühl, sagt aber nichts. Der Chemnitzer Verein Wildwasser will Kindern Mut machen, genau das aber doch zu tun: zu widersprechen, Höflichkeit hin oder her. Eine Arbeit, die nach Angaben des Vereins immer stärker nachgefragt wird. "Vor allem aus dem Erzgebirge bekommen wir viele Anfragen. Aber wir sind nicht genug Leute, um sie alle erfüllen zu können", sagt Sandra Ludwig. Sie ist eine von drei fest angestellten Sozialpädagoginnen des Vereins. Nun suche man nach einer Möglichkeit, eine vierte Sozialpädagogin finanzieren zu können.

In Chemnitz bezahle das Jugendamt ihre Arbeit, erklärt Ludwig. Der Verein fokussiert auf das Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder und Frauen und biete zum Beispiel Selbstbehauptungskurse für Frauen sowie Sozialtraining und Mut-Mach-Training für Kinder an. Bei letzterem wird den Mädchen und Jungen mithilfe von Rollenspielen und Frage-Antwort-Runden versucht klar zu machen, wann es gefährlich werden könnte. Nämlich dann, "wenn sich die Alarmanlage im Bauch einschaltet und die Kinder ein komisches Gefühl bekommen", sagt Ludwig. Zudem wollen sie den Kindern erklären, was sexueller Missbrauch ist. Sie sagen, dass es dabei um empfindliche Körperteile wie den Mund und das Geschlecht geht und Missbrauch bedeutet, dass sie dort gegen ihren Willen angefasst werden oder jemanden anderes anfassen sollen. Sie zeigen, wie sich die Kinder in gefährlichen Situationen verhalten sollten: Blickkontakt mit der Person halten, gerade statt zusammengeduckt stehen und "wie eine Schallplatte mit Riss" sagen: Lassen Sie mich in Ruhe!

Dass die Kinder übersensibilisiert werden und hinter jedem Passanten, der nach dem Weg fragt oder hinter jedem Verwandten, der das Kind streichelt, einen Gewalttäter sehen, glaubt man im Verein nicht. Clara Zimmermann, eine Kollegin von Ludwig, erklärt das so: "Wir sagen zu den Kindern nicht, dass da draußen alles böse Menschen sind, sondern lediglich, dass sie auf ihr Bauchgefühl hören sollen."

Schule, Horte, Kinderheime und auch Eltern selbst fragen beim Verein nach den Angeboten. In diesem Jahr habe er beispielsweise beim Mut-Mach-Training rund 25 Gruppen mit bis zu 15 Kindern betreut. Die Anfragen, die der Verein außerhalb von Chemnitz erfülle, werden nicht vom Jugendamt finanziert. Bezahlt werde das beispielsweise von Schulfördervereinen oder von den Eltern. Um der Nachfrage gerecht zu werden, wolle man eine vierte Sozialpädagogin mindestens für ein Jahr einstellen. Um sie zu finanzieren, hat der Verein mit der Bethe-Stiftung eine Spendenaktion gestartet. Die Stiftung in Essen fördert Projekte im sozialen Bereich. Jeden Euro, der bis Ende Januar gespendet wird, verdoppele die Stiftung. "Mit einer vierten Pädagogin wollen wir verstärkt im Erzgebirge zeigen, wie sinnvoll diese Arbeit ist", erklärt Clara Zimmermann. "Optimal wäre, wenn dort später das Jugendamt des Erzgebirgskreises die Finanzierung übernehmen würde."

Stimmen

Carmen Seifert, Leiterin der Montessori-Grundschule in Annaberg-Buchholz:
"Wir wollen, dass alle unsere Grundschüler vom Thema Missbrauch gehört haben. Das war eine Initiative der Eltern, weil es immer wieder Missbrauchsfälle in Deutschland gibt. Die Kinder sollen lernen, wie sie sich verhalten können. Dazu bietet der Chemnitzer Verein Wildwasser ein gutes Konzept. Im vergangenen Jahr besuchten etwa 90 Grundschüler das Mut-Mach-Training, das von Eltern und Schulverein finanziert wurde. Im März wollen wir das fortführen, dann aber auch Fördergeld beantragen."

Ursula Mornhinweg, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Annaberg-Buchholz:
"Wir haben vor einiger Zeit begonnen, die Erzieherinnen der Kindertageseinrichtungen in städtischer Trägerschaft durch den Verein Wildwasser schulen zu lassen. Das würden wir gern fortsetzen, aber die Finanzierung ist noch nicht geklärt." (kl)


Original-Artikel unter: Alarmanlage_im_Bauch.pdf

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Die Projekte von WILDWASSER Chemnitz, Erzgebirge und Umland e.V. werden gefördert durch das Amt für Jugend und Familie der Stadt Chemnitz und dem Landratsamt Erzgebirgskreis. Die Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage, des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.

Wir fördern nach unserer Satzung mildtätige Zwecke/gemeinnützige Zwecke im Bereich der Jugend - und Altenhilfe nach §52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 AO und haben einen gültigen Freistellungsbescheid zum Körperschaftssteuerbescheid des Finanzamtes Chemnitz-Süd vom 02.01.2017.

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